Kasse & Digitales

Dokumente aufbewahren: Ordnung, Zugriff und Fristen

Welche Unterlagen im Betrieb liegen bleiben müssen, wer sie im Ernstfall finden können muss und warum eine gute Ablage noch keine Sicherung ist.

Ecommerce concept on a blockchain platform. CC0, über flickr.

Belege sind nur ein Teil der Unterlagen im Betrieb. Daneben liegen Verträge, Genehmigungen, Prüfberichte, Versicherungspolicen, Personalunterlagen und Nachweise, die niemand täglich braucht und die trotzdem greifbar sein müssen. Für diese zweite Gruppe gibt es meist kein System, sondern einen Schrank.

Das fällt erst auf, wenn jemand fragt: Wann läuft der Mietvertrag aus, wo ist die Betriebserlaubnis, wer hat die letzte Prüfplakette dokumentiert. Wer dann sucht, hat kein Ablageproblem, sondern ein Zugriffsproblem.

Welche Unterlagen überhaupt aufbewahrt werden müssen

Aufbewahrungspflichten kommen aus verschiedenen Richtungen. Steuerrecht und Handelsrecht verlangen Bücher, Abschlüsse, Rechnungen und alles, was zum Verständnis der Buchführung nötig ist. Daneben stehen Pflichten aus dem Arbeitsrecht, aus dem Arbeitsschutz, aus Hygienevorschriften, aus Fachrecht der jeweiligen Branche.

Diese Pflichten laufen unterschiedlich lang und beginnen zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Die jeweils geltenden Fristen und ihren Beginn bestätigt dir deine Steuerberatung oder die zuständige Kammer. Verlass dich hier nicht auf Faustregeln aus dem Netz, denn der Gesetzgeber hat einzelne Fristen bereits verändert.

Ein Ordnungssystem, das nach dem Zweck sortiert

Sortiere Unterlagen danach, wer sie sucht und warum, nicht danach, woher sie kamen. Bewährt hat sich eine Trennung in laufende Unterlagen, die im Alltag gebraucht werden, und ruhende Unterlagen, die nur wegen einer Frist liegen bleiben.

Die ruhenden Unterlagen bekommen ein Datum, an dem sie geprüft werden. Ohne dieses Datum wächst der Bestand für immer, und niemand traut sich, etwas wegzuwerfen. Mit dem Datum wird aus der Ablage eine kurze wiederkehrende Aufgabe statt eines Projekts, das niemand anfängt.

Wer darf welche Unterlage sehen

Personalunterlagen, Bewerbungen, Krankmeldungen und Gesundheitsdaten gehören nicht in dieselbe Ablage wie Lieferantenverträge. Für sie gelten enge Regeln aus dem Datenschutz, und Zugriff hat nur, wer ihn für seine Aufgabe braucht.

Digital lässt sich das über getrennte Ordner mit eigenen Berechtigungen lösen, im Schrank über ein eigenes Fach mit eigenem Schlüssel. Beides funktioniert nur, wenn es eine schriftliche Regel gibt, wer den Zugang hat. Sonst bekommt ihn mit der Zeit jeder.

Papier bleibt Papier

Manche Unterlagen behalten ihren Wert nur im Original. Notarielle Urkunden, Gesellschaftsverträge in der unterschriebenen Fassung, Bürgschaften, Zeugnisse, Genehmigungsbescheide mit Siegel. Ein Scan davon ist nützlich, ersetzt das Original aber nicht.

Für diesen Bestand zählt der physische Ort. Ein Aktenschrank neben der Heizung im Keller ist keine Aufbewahrung, sondern ein Wasserschaden mit Vorlauf. Wer wenig Originale hat, ist mit einem Bankschließfach oder einem feuerfesten Behälter besser bedient als mit einem weiteren Regal.

Ablage ist keine Sicherung

Eine geordnete digitale Ablage sagt nichts darüber aus, ob die Daten einen Ausfall überstehen. Ordnung und Sicherung sind zwei getrennte Aufgaben: Die Ordnung sorgt dafür, dass du etwas findest, die Sicherung dafür, dass es überhaupt noch da ist.

Prüfe deshalb für jeden Ablageort getrennt, wer ihn sichert. Bei einem Laufwerk im Haus bist das du. Bei einem Cloud-Dienst ist es der Anbieter, aber nur für seinen Teil: gegen versehentliches Löschen oder gegen einen gekündigten Vertrag hilft dir das nicht.

Wenn Unterlagen den Betrieb verlassen

Beim Ende einer Aufbewahrungsfrist werden Unterlagen nicht in den Hausmüll gegeben. Personenbezogene Daten müssen so vernichtet werden, dass sie nicht mehr lesbar sind, digital wie auf Papier. Für größere Bestände gibt es Dienstleister, die die Vernichtung bescheinigen.

Der umgekehrte Fall ist ebenso wichtig: Wenn ein Dienstleister für dich Unterlagen aufbewahrt, gehört in den Vertrag, was bei dessen Ende mit den Daten geschieht und in welchem Format du sie zurückbekommst.

Wo die Beratung anfängt

Welche Frist für welche Unterlage gilt, ob eine Frist bereits abgelaufen ist und wann Personalunterlagen zu löschen sind, hängt vom Einzelfall ab. Die steuerlichen Fristen klärt deine Steuerberatung, die arbeits- und datenschutzrechtlichen deine Rechtsberatung. Dieser Beitrag ordnet die Aufgabe, er ersetzt diese Prüfung nicht.

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