Zahlungsverkehr erklärt

Die Kartensysteme im Überblick: wer wo akzeptiert wird

Visa, Mastercard, girocard, Amex, Diners, JCB und UnionPay: wer wo akzeptiert wird, warum die Marke den Preis bestimmt und welche du freischalten solltest.

CCV A960, Kartenterminal aus dem Angebot von R&B Pay. gemeinfrei, über Openverse.

Kartensystem, Kartenmarke, Netz: gemeint ist dasselbe. Ein Kartensystem legt die Regeln fest, nach denen eine Zahlung abläuft, wer wofür haftet und welche Entgelte zwischen den Beteiligten fließen. Herausgegeben werden die Karten in aller Regel von Banken, eingereicht werden die Umsätze von Acquirern. Das System selbst berührt dein Geld dann nicht, bestimmt aber, was die Zahlung kostet.

Für den Betrieb sind zwei Fragen entscheidend: Welche Marken hat deine Kundschaft im Portemonnaie, und welche davon hast du freigeschaltet? Beides ist nicht dasselbe.

Visa und Mastercard: die größte Reichweite

Beide arbeiten im Vier-Parteien-Modell. Sie geben selbst keine Karten aus, sondern lizenzieren Banken, die es tun, und Acquirer, die Händlerumsätze einreichen. Unter beiden Marken laufen Kreditkarten, Debitkarten und Firmenkarten. Genau das ist der Punkt, den viele übersehen: Die Marke auf der Karte sagt noch nicht, um welche Kartenart es sich handelt, und die Kartenart bestimmt den Preis stärker als die Marke.

girocard: stark im Inland, schwach auf Reisen

Die girocard ist das Debitsystem der deutschen Kreditwirtschaft. Der Betrag wird zeitnah vom Girokonto abgebucht, das Verfahren ist im Inland weit verbreitet und für den Handel traditionell die günstigste Kartenzahlung. Außerhalb Deutschlands funktioniert die girocard-Anwendung praktisch nicht, deshalb tragen die Karten zusätzlich eine internationale Marke.

Für dich heißt das: Wenn deine Kundschaft überwiegend aus der Region kommt, entscheidet die girocard über deine Entgelte. Wenn du viele Gäste von außerhalb hast, entscheidet der Rest.

Wenn die Bankkarte plötzlich international abgerechnet wird

Hier liegt die Stolperstelle, die derzeit vielen Betrieben die Auswertung verhagelt. Die früher übliche Zusatzanwendung Maestro auf deutschen Bankkarten läuft aus. An ihre Stelle treten Debitmarken von Mastercard und Visa. Solche Karten sehen für die Kundschaft aus wie die gewohnte Bankkarte, werden aber nicht zwingend als girocard verarbeitet.

Läuft die Zahlung über die internationale Debitanwendung, greift ein anderes Regelwerk und ein anderes Entgelt. Wer seine Abrechnung nach Kartenart auswertet, sieht dann einen wachsenden Anteil internationaler Debitkarten, ohne dass sich im Laden etwas geändert hätte. Wichtig ist deshalb, dass dein Terminal die girocard-Anwendung bevorzugt, wo sie vorhanden ist, und dass du weißt, wie dein Vertragspartner die Auswahl steuert.

Amex und Diners: Systeme, die selbst abrechnen

American Express und Diners Club arbeiten im Kern nach dem Drei-Parteien-Modell: Kartenherausgabe und Händlerseite liegen beim System selbst oder bei dessen Lizenznehmern. Verbreitet sind diese Karten vor allem bei Geschäftsreisenden, bei Firmenkunden und bei Gästen aus Übersee. Die Akzeptanz ist schmaler als bei Visa und Mastercard, dafür ist die Kundschaft, die danach fragt, oft die mit dem größeren Bon.

JCB und UnionPay: wichtig, wo die Gäste herkommen

JCB stammt aus Japan, UnionPay aus China. Beide sind in ihren Heimatmärkten dominant und tauchen hier dort auf, wo Reisegruppen und internationales Publikum hinkommen: Hotels, Innenstadtlagen, Ausflugsziele, Outlets. Die Akzeptanz läuft in Europa meist über Kooperationen und über deinen Acquirer. Ob sie bei dir freigeschaltet ist, steht in deinem Vertrag und lässt sich mit einer kurzen Anfrage klären.

Wallets sind kein eigenes Kartensystem

Apple Pay, Google Pay und die Wallets der Banken sind keine Marken im obigen Sinn. In einer Wallet liegt eine hinterlegte Karte eines Kartensystems, nur mit einer ersetzten Nummer. Für deine Abrechnung zählt die Karte darunter, nicht die Wallet. Wer glaubt, mit Wallet-Akzeptanz eine zusätzliche Zahlart zu haben, verwechselt die Verpackung mit dem Inhalt.

Welche Marken du freischalten solltest

Jede Marke wird einzeln vereinbart und einzeln freigeschaltet. Die Reihenfolge in der Entscheidung ist immer gleich: Wer kommt zu dir, womit will diese Kundschaft zahlen, was kostet die jeweilige Annahme, und wie viel Umsatz hängt daran?

Dass die Marke und die Kartenart den Preis bestimmen, kannst du an unseren eigenen Sätzen ablesen. Bei uns kostet eine girocard-Zahlung 0,79 Prozent und eine Kreditkartenzahlung 1,79 Prozent, jeweils zuzüglich 5 Cent je Zahlung, alles netto zuzüglich Umsatzsteuer. Wer lieber mit einem Satz für alles rechnet, nimmt 1,29 Prozent auf alle Karten ohne Centbetrag. Welche Variante günstiger ist, entscheidet dein Kartenmix, nicht die Werbung auf einem Preisblatt.

Prüfe in ruhigen Zeiten, wie sich dein Mix verschoben hat. Ein neues Wohngebiet, ein Hotel in der Nachbarschaft oder ein wachsender Anteil an Firmenkarten verändert die Rechnung deutlicher als jede Verhandlung über den Prozentsatz.

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