Die Betriebshaftpflicht ist die Versicherung, die fast jeder Betrieb hat, und zugleich die, deren Bedingungen am seltensten gelesen werden. Sie greift, wenn dein Betrieb einem Dritten einen Schaden zufügt und dieser Dritte dafür Geld von dir verlangt.
Wichtig ist dabei weniger, was auf der ersten Seite des Angebots steht. Wichtig ist, wo die Deckung endet. Genau dort liegen die Fälle, die kleine Betriebe am Ende selbst bezahlen.
Zwei Aufgaben in einem Vertrag
Eine Haftpflichtversicherung prüft zuerst, ob der Anspruch gegen dich berechtigt ist. Ist er berechtigt, zahlt sie im Rahmen der vereinbarten Summe. Ist er es nicht, wehrt sie ihn ab und trägt die Kosten der Abwehr, notfalls vor Gericht. Diese zweite Aufgabe wird unterschätzt, obwohl sie im Alltag häufiger anfällt als die Zahlung.
Gedeckt sind Personenschäden, Sachschäden und die Vermögensschäden, die aus beidem folgen. Ein Gast stürzt über ein Kabel, eine Leiter beschädigt die Fassade des Nachbarn, nach einer Montage steht Wasser im Keller: Das sind die Fälle, für die der Vertrag gemacht ist.
Die eigene Leistung ist nie versichert
Wenn die verlegten Fliesen falsch sitzen, zahlt keine Haftpflicht das Neuverlegen. Das ist Nacherfüllung und gehört zum unternehmerischen Risiko. Beschädigt derselbe Fehler aber den Estrich darunter oder die Möbel der Kundschaft, ist das ein Sachschaden und damit ein Fall für die Police. An dieser Trennlinie entscheidet sich in der Praxis fast jede Ablehnung.
Ebenfalls draußen sind eigene Sachen, vorsätzlich verursachte Schäden und, in der Grunddeckung sehr häufig, Tätigkeits- und Bearbeitungsschäden. Gemeint ist der Schaden an genau der Sache, an der du gerade arbeitest oder die du in Obhut hast. Wer Kundengeräte repariert, Wohnungen renoviert oder fremde Fahrzeuge bewegt, braucht dafür einen ausdrücklichen Einschluss. Dasselbe gilt für Schäden am gemieteten Ladenlokal, für den Verlust fremder Schlüssel und für Ware, die dir nicht gehört.
Versichert ist die Tätigkeit, nicht der Betrieb
Im Vertrag steht eine Betriebsbeschreibung, und sie legt fest, was gedeckt ist. Aus dem Café wird eines mit Lieferdienst, aus dem Handel einer mit Montage vor Ort, aus dem Friseursalon einer mit Kosmetik: Jede dieser Erweiterungen gehört gemeldet. Sonst steht im Schadenfall genau die Tätigkeit nicht in der Police, aus der der Schaden entstanden ist.
Dasselbe gilt für die Bemessungsgrundlage. Viele Verträge rechnen mit Umsatz, Lohnsumme oder Zahl der Beschäftigten und verlangen, dass Veränderungen angezeigt werden. Wer wächst und schweigt, riskiert eine Kürzung der Leistung.
Worauf du beim Vergleich achten solltest
Über die Qualität einer Deckung entscheiden drei Punkte mehr als der Beitrag:
- Ob Personen- und Sachschäden eine gemeinsame Summe haben oder getrennte, und ob Vermögensschäden deutlich niedriger gedeckt sind.
- Ob die vereinbarte Summe im Versicherungsjahr mehrfach zur Verfügung steht oder nur einmal.
- Welche Zusatzbausteine eingeschlossen sind: Tätigkeitsschäden, Mietsachschäden, Schlüsselverlust, Umweltschäden, Produkthaftung, Fälle im Ausland.
Konkrete Summen nennen wir hier bewusst nicht. Was in deiner Branche üblich und angemessen ist, sagen dir Kammer, Innung oder Verband, oft gibt es dazu Empfehlungen. Ein Selbstbehalt senkt den Beitrag und ist sinnvoll, wenn du Kleinschäden ohnehin selbst regulieren willst. Er ist unsinnig, wenn er so hoch liegt, dass du im Zweifel gar nicht erst meldest.
Was im Schadenfall zählt
Melde jeden Vorfall, aus dem ein Anspruch werden kann, auch wenn noch niemand etwas verlangt hat. Erkenne nichts an, weder die Schuld noch einen Betrag, und zahle nichts aus eigener Tasche, um Ruhe zu haben: Beides kann die Leistung kosten. Halte fest, was passiert ist, mit Fotos, Zeitpunkt und den Namen von Anwesenden. Über die Berechtigung des Anspruchs entscheidet der Versicherer, dafür zahlst du ihn.
Wo wir aufhören
Ob du in einem konkreten Fall haftest, ist eine Rechtsfrage. Welche Deckung dein Betrieb braucht und mit welchen Summen, gehört in ein Gespräch mit einer Maklerin oder einem Versicherungsberater, der die Bedingungen im Detail vergleicht. Dieser Beitrag ordnet die Begriffe, damit du dieses Gespräch führen kannst. Er ersetzt es nicht.
