Bei jeder Kartenzahlung geht ein Teil des Betrags an die Bank, die die Karte ausgegeben hat. Dieser Teil heißt Interchange-Entgelt. Er bleibt nicht bei deinem Anbieter, er wird durchgereicht. Wer versteht, wie dieser Posten entsteht, versteht den größten Teil seines eigenen Kartenpreises.
Interchange ist deshalb interessant, weil es der einzige Bestandteil ist, den alle Anbieter am Markt zu praktisch denselben Bedingungen einkaufen. Was danach kommt, ist Verhandlungssache. Was davor liegt, nicht.
Wer zahlt hier an wen
Die Kette ist kurz. Du reichst deinen Umsatz beim Acquirer ein. Der Acquirer holt sich das Geld über das Kartensystem bei der Bank der Kundschaft, dem Issuer. Der Issuer behält dabei einen Anteil ein, bevor er zahlt. Dieser einbehaltene Anteil ist das Interchange-Entgelt.
Der Betrag wandert also nicht von dir zu deinem Vertragspartner, sondern von einer Bank zur anderen. Bei dir taucht er trotzdem auf, weil dein Acquirer ihn als Einkaufskosten in deinem Preis wiederfindet.
Warum es dieses Entgelt überhaupt gibt
Die kartenausgebende Bank hat Aufwand, von dem du profitierst, ohne sie zu beauftragen. Sie stellt die Karte her, prüft in Sekunden die Deckung, übernimmt bei einer Kreditkarte die Vorfinanzierung bis zur Abrechnung, betreibt Betrugserkennung und bearbeitet die Reklamationen ihrer eigenen Kundschaft. Das Interchange-Entgelt ist die Vergütung dafür, dass ihre Karte in deinem Terminal funktioniert.
Wirtschaftlich ist es der Hebel, mit dem ein Kartensystem beide Seiten gleichzeitig bei der Stange hält: Die Bank verdient daran, Karten auszugeben, du bekommst dafür Kundschaft, die ohne Bargeld zahlen kann.
Ein Satz ist es nicht, eine Tabelle schon
Es gibt nicht das eine Interchange. Die Kartensysteme veröffentlichen umfangreiche Listen, die sich unterscheiden nach Kartenart (Debit oder Kredit), nach Karteninhaber (Verbraucher oder Unternehmen), nach Herkunft der Karte, nach Erfassungsart (Karte am Terminal, Zahlung im Netz, wiederkehrende Zahlung) und teilweise nach Branche.
Das ist die erste Stolperstelle. Zwei Zahlungen über denselben Betrag können unterschiedlich viel kosten, weil zwei verschiedene Karten im Spiel waren. Auf einer Abrechnung, die alles zu einem Satz zusammenfasst, siehst du davon nichts.
Wo der Gesetzgeber eine Obergrenze gezogen hat
Für Verbraucherkarten aus dem Europäischen Wirtschaftsraum hat die europäische Verordnung über Interbankenentgelte Obergrenzen festgelegt, getrennt für Debitkarten und Kreditkarten. Damit ist dieser Teil des Preises für den größten Teil des Alltagsgeschäfts nach oben begrenzt. Die aktuell geltenden Werte stehen im Verordnungstext und in den Listen der Kartensysteme, dein Acquirer nennt sie dir auf Nachfrage.
Nicht von der Obergrenze erfasst sind unter anderem Firmenkarten und Karten, die außerhalb dieses Raums ausgegeben wurden. Genau diese Karten machen eine Abrechnung im Einzelfall teurer, als der genannte Satz vermuten lässt.
Die girocard läuft in einem eigenen deutschen System. Wie hoch das Entgelt an die kartenausgebende Bank dort ausfällt, vereinbaren die Beteiligten untereinander. Die Obergrenze der Verordnung gilt daneben trotzdem, denn sie knüpft an die Karte an und nicht an das Kartensystem: Eine Debitkarte, die eine Bank im Europäischen Wirtschaftsraum an eine Privatperson ausgibt, fällt darunter. Für dich ist die Wirkung dieselbe: Ein Teil deines Preises ist eingekauft, bevor dein Anbieter überhaupt anfängt zu kalkulieren.
Warum du das Interchange nicht wegverhandeln kannst
Kein Acquirer und kein Netzbetreiber rechnet dir eine Karte dauerhaft billiger ab, als sie ihn selbst kostet. Wenn dir jemand für eine Kartenart einen Satz nennt, der unter dem eingekauften Entgelt liegt, dann gilt er entweder nur für eine Teilmenge deiner Zahlungen, oder er wird über andere Kartenarten wieder eingesammelt, oder er hängt an einer Bedingung, die im Kleingedruckten steht.
Verhandelbar ist die Marge deines Anbieters. Das ist keine schlechte Nachricht, sondern die nützlichste Information für jeden Vergleich: Du vergleichst nicht Einkaufspreise, du vergleichst Aufschläge.
Was das für deinen Betrieb bedeutet
Dein Kartenmix bestimmt deinen Einkaufspreis. Ein Laden, in dem fast nur Debitkarten aus der Region über den Tresen gehen, hat eine andere Grundlage als ein Hotel mit vielen Firmen- und Auslandskarten. Deshalb sagt ein beworbener Satz ohne deinen eigenen Kartenmix wenig aus.
Wie dein Mix aussieht, steht in deiner Abrechnung und im Kassenbericht, aufgeschlüsselt nach Kartenart. Diese Auswertung ist die Vorarbeit für jedes Preisgespräch, und sie kostet dich einen Nachmittag im Jahr.
Wo wir aufhören
Wir erklären hier den Mechanismus. Welche Sätze in deinem Vertrag stehen, welche Karten bei dir tatsächlich anfallen und welche Obergrenze im Einzelfall greift, steht in deinen Unterlagen und im geltenden Verordnungstext. Fragen zur Auslegung von Vertragsklauseln gehören zu deiner Rechtsberatung, die steuerliche Behandlung der Entgelte zu deiner Steuerberatung.
