Zahlungsverkehr erklärt

Warum die Kartenart den Preis deiner Zahlung bestimmt

Zwei Zahlungen über denselben Betrag kosten unterschiedlich viel. Was Debit, Kredit, Firmen- und Auslandskarten am Entgelt verändern und woran du sie erkennst.

Free hand holding pen signing. CC0, über rawpixel.

Zwei Zahlungen über denselben Betrag kosten dich unterschiedlich viel. Der Unterschied liegt nicht am Betrag, nicht an der Uhrzeit und nicht an deinem Verhandlungsgeschick, sondern an der Karte, die am Terminal liegt.

Wer diesen Zusammenhang einmal verstanden hat, liest seine Abrechnung anders und vergleicht Angebote anders.

Der Preis hängt an der Karte, nicht am Umsatz

Das Händlerentgelt besteht aus drei Bausteinen: dem Interchange, das die Bank der Kundschaft erhält, den Entgelten des Kartensystems und der Marge dessen, mit dem du den Vertrag geschlossen hast. Die ersten beiden Bausteine sind nicht frei kalkuliert. Sie stehen in Tabellen, und diese Tabellen sind nach Kartenkategorien geordnet.

Eine Kategorie entsteht aus vier Merkmalen: dem Kartensystem, der Kartenart, der Herkunft der herausgebenden Bank und der Art, wie die Karte erfasst wurde. Ändert sich eines dieser Merkmale, ändert sich die Zeile in der Tabelle und damit dein Einkaufspreis. Der Betrag der Zahlung wirkt bei den prozentualen Anteilen nur als Multiplikator.

girocard oder internationales System

In Deutschland liegen auf demselben Stück Plastik oft zwei Verfahren. Läuft die Zahlung über girocard, gilt das deutsche Debitverfahren mit seinen eigenen Entgelten. Läuft dieselbe Karte über Visa oder Mastercard, gelten die Tabellen dieser Systeme.

Wie stark das durchschlägt, zeigen unsere eigenen Sätze: 0,79 Prozent je girocard-Zahlung stehen 1,79 Prozent je Kreditkartenzahlung gegenüber, jeweils zuzüglich 5 Cent je Zahlung, alles netto zuzüglich Umsatzsteuer. Im Tarif All-in gilt stattdessen ein Satz von 1,29 Prozent auf alle Karten ohne Centbetrag. Welcher Weg für dich günstiger ist, entscheidet nicht der niedrigste Einzelsatz, sondern die Verteilung deiner Zahlungen.

Debit oder Kredit: es geht um das Risiko

Bei einer Debitkarte wird das Konto der Kundschaft zeitnah belastet. Bei einer Kreditkarte gewährt die herausgebende Bank einen Zahlungsaufschub und trägt bis zur Abrechnung das Ausfallrisiko. Dieses Risiko und die Kosten des Kartenprogramms finanziert die Bank unter anderem über das Interchange. Deshalb ist eine Kreditkarte für dich in aller Regel teurer als eine Debitkarte desselben Systems.

Die Stolperstelle steckt im Aussehen. Debitkarten der internationalen Systeme tragen deren Logo und sehen aus wie Kreditkarten. Die Kundschaft nennt sie weiterhin EC-Karte, obwohl die Zahlung nicht über girocard läuft. Auf deiner Abrechnung erscheint sie als das, was sie ist, und das ist nicht die günstige girocard-Zeile.

Firmenkarten und Karten aus dem Ausland

Zwei Gruppen fallen aus den Obergrenzen heraus, die im europäischen Raum für Verbraucherkarten gelten: Karten, die auf ein Unternehmen ausgestellt sind, und Karten von Banken außerhalb dieses Raums. Beide sind für dich teurer, und beide tauchen dort auf, wo man sie nicht plant. Die Firmenkarte kommt beim Geschäftsessen, in der Werkstatt und beim Einkauf für den Betrieb. Die Auslandskarte kommt im Ferienort, im Grenzgebiet und bei jeder Veranstaltung mit auswärtigem Publikum.

Woran du die Kartenart erkennst

Das Terminal liest am Anfang der Kartennummer, welches System zuständig ist und welche Bank die Karte herausgegeben hat. Daraus ergibt sich die Kategorie. Auf dem Händlerbeleg steht, über welches Verfahren die Zahlung lief. In einer aufgeschlüsselten Abrechnung findest du dieselbe Information je Zahlung wieder, oft mit Bezeichnungen wie Debit, Credit, Commercial oder Cross Border.

Der Kartenkörper ist dagegen kein sicherer Hinweis. Eine Karte mit Firmennamen kann privat sein, eine Karte ohne Firmennamen kann eine Firmenkarte sein. Verlass dich auf den Beleg und auf die Abrechnung, nicht auf den Blick über den Tresen.

Was ein Mischpreis daraus macht

Ein einziger Satz für alle Karten macht die Unterschiede nicht kleiner, er verteilt sie nur um. Der Anbieter kalkuliert mit einem angenommenen Kartenmix. Trifft die Annahme, passt der Preis für beide Seiten. Weicht dein Betrieb davon ab, zahlst du entweder mehr als nötig, oder der Anbieter verdient weniger als geplant. Im zweiten Fall folgt die Preisanpassung meist irgendwann.

Der zweite Effekt ist unauffälliger. Verschiebt sich dein Kartenmix über die Jahre, etwa weil mehr Kundschaft mit dem Handy und hinterlegter Kreditkarte zahlt, merkst du das bei einem Mischpreis gar nicht. Bei einer aufgeschlüsselten Abrechnung siehst du es Monat für Monat.

Was du daraus machst

Zähle einmal über ein volles Quartal aus, wie sich deine Kartenzahlungen auf die Kategorien verteilen und wie hoch dein Durchschnittsbon ist. Diese beiden Werte sind die Grundlage jedes ehrlichen Vergleichs. Ohne sie rechnet dir jeder Anbieter das Beispiel vor, das zu seinem eigenen Preismodell passt.

Teure Kategorien einfach abzulehnen, ist dagegen selten eine Lösung. Die Regelwerke der Kartensysteme und dein Akzeptanzvertrag geben vor, welche Karten du annehmen musst, wenn du eine Marke führst. Was dort erlaubt ist und was nicht, steht in deinem Vertrag und gehört gelesen, bevor du am Tresen etwas änderst.

Wo wir aufhören

Wie sich der Preis einer Kartenzahlung zusammensetzt und woran du die Kartenart erkennst, können wir dir erklären. Wie dein Akzeptanzvertrag auszulegen ist und welche Karten du danach annehmen musst, ist eine rechtliche Frage und gehört zu deiner Rechtsberatung. Wie die Entgelte zu buchen und umsatzsteuerlich zu behandeln sind, klärt deine Steuerberatung.

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