Zahlungsverkehr erklärt

Das Entgelt je Zahlung: warum Cent bei kleinen Bons wiegen

Neben dem Prozentsatz steht oft ein fester Betrag je Zahlung. Warum er kleine Bons überproportional trifft und wie du seinen Anteil mit eigenen Zahlen ausrechnest.

Free hand holding pen signing. CC0, über rawpixel.

Neben dem Prozentsatz steht in vielen Verträgen ein fester Betrag je Zahlung. Er sieht klein aus und wird beim Vergleich zweier Angebote regelmäßig überlesen. Bei einem Betrieb mit kleinen Bons entscheidet gerade er darüber, welches Angebot günstiger ist.

Warum es diesen festen Betrag gibt

Ein Teil der Kosten einer Kartenzahlung hängt nicht am Umsatz, sondern an der Zahlung selbst. Die Autorisierungsanfrage läuft für einen Kaffee genauso durch das Netz wie für eine Monatsrechnung: dieselbe Verbindung, dieselbe Prüfung, dieselbe Verarbeitung bei der Einreichung. Auch die Kartensysteme berechnen einen Teil ihrer Entgelte je Vorgang und nicht je Euro Umsatz.

Ein Anbieter, der diese Kostenstruktur sauber abbildet, nennt deshalb zwei Größen: einen Prozentsatz für den Umsatz und einen Betrag für den Vorgang. Ein Anbieter ohne Betrag je Zahlung hat diesen Teil in seinen Prozentsatz eingerechnet. Verschwunden ist er nie.

Der Anteil steigt, je kleiner der Bon

Ein fester Betrag verhält sich am kleinen Bon völlig anders als am großen. Prozentual wiegt er umso schwerer, je weniger auf dem Bon steht. Bei einer großen Rechnung fällt er kaum auf, bei einem sehr kleinen Verkauf kann er den Prozentsatz übersteigen.

Betroffen sind vor allem Bäckerei, Kiosk, Imbiss, Getränkeausgabe auf dem Fest, Automat und alles, wo einzeln und schnell kassiert wird. In diesen Betrieben ist der Durchschnittsbon die wichtigste Größe im ganzen Preisgespräch, wichtiger als der beworbene Prozentsatz.

Rechne es mit deinen eigenen Zahlen

Du brauchst zwei Werte aus deinem Kassenbericht oder deiner Abrechnung: den Kartenumsatz und die Anzahl der Kartenzahlungen einer abgeschlossenen Periode.

  1. Teile den Kartenumsatz durch die Anzahl der Kartenzahlungen. Das ist dein Durchschnittsbon bei Karte. Er ist nicht dasselbe wie der Durchschnittsbon über alle Zahlarten, weil Bargeld typischerweise bei kleineren Beträgen genutzt wird.
  2. Teile den Betrag je Zahlung durch diesen Durchschnittsbon. Das Ergebnis ist der Anteil, den das Entgelt je Zahlung an deinem Umsatz ausmacht.
  3. Addiere diesen Anteil zum Prozentsatz. Erst diese Summe ist der Satz, den du wirklich zahlst.

Mach die Rechnung getrennt für girocard und Kreditkarte, wenn dein Tarif nach Kartenart unterscheidet. Und nimm eine typische Periode: Ein Monat mit einem ungewöhnlich großen Auftrag hebt den Durchschnittsbon so weit an, dass das Ergebnis für den Alltag nichts mehr aussagt.

Zwei Angebote mit und ohne Betrag je Zahlung vergleichen

Interessant wird es, wenn ein Modell einen niedrigeren Prozentsatz mit einem Betrag je Zahlung kombiniert und ein anderes einen etwas höheren Prozentsatz ohne diesen Betrag nennt. Bei uns ist das genau die Wahl zwischen 1,29 Prozent auf alle Karten ohne Centbetrag und der nach Kartenart getrennten Variante mit 0,79 Prozent je girocard-Zahlung und 1,79 Prozent je Kreditkartenzahlung, jeweils zuzüglich 5 Cent je Zahlung, alle Angaben netto zuzüglich Umsatzsteuer.

Der Rechenweg ist immer derselbe. Bilde die Differenz der beiden Prozentsätze für die Kartenart, die bei dir am häufigsten vorkommt, und rechne sie in einen Anteil um. Teile dann den Betrag je Zahlung durch diesen Anteil. Heraus kommt der Bonwert, bei dem beide Modelle gleich teuer sind. Liegt dein Durchschnittsbon darunter, gewinnt das Modell ohne Betrag je Zahlung. Liegt er darüber, gewinnt das Modell mit dem niedrigeren Prozentsatz.

Das ist der Grund, warum es keinen allgemein besseren Tarif gibt, sondern nur einen, der zu deinem Bon passt.

Wo der Betrag je Zahlung im Alltag zusätzlich zuschlägt

Jede Zahlung zählt einzeln. Mehrere Personen an einem Tisch, die getrennt zahlen, erzeugen mehrere Vorgänge statt einem, bei gleichem Umsatz. Wird ein Betrag storniert und neu kassiert, sind es ebenfalls zwei Vorgänge. Wer nachträglich etwas hinzubucht und separat kassiert, erzeugt einen weiteren.

Das ist kein Grund, Kundenwünsche abzulehnen. Es ist ein Grund, die Anzahl der Zahlungen zu kennen und nicht nur den Umsatz. Sie steht in jedem Kassenbericht.

Der Mindestbetrag am Tresen ist selten die Lösung

Der naheliegende Reflex ist ein Schild mit einem Mindestbetrag für Kartenzahlung. Das kostet Kundschaft, sorgt für Diskussionen an der Kasse und kann mit deinem Akzeptanzvertrag kollidieren, denn die Kartensysteme machen Vorgaben dazu, wie ihre Karten angenommen werden. Bevor du ein solches Schild aufhängst, lies deinen Vertrag oder frag deinen Anbieter.

Wirksamer sind die Wege, die den Bon selbst verändern: Angebote bündeln, den Mehrfachkauf attraktiv machen, an der Kasse den größeren Artikel anbieten. Und wenn dein Bon strukturell klein bleibt, ist ein Tarif ohne Betrag je Zahlung schlicht das passendere Werkzeug.

Wo wir aufhören

Was dein Akzeptanzvertrag zu Mindestbeträgen und Zuschlägen zulässt, steht in diesem Vertrag und in den Regeln der Kartensysteme. Die Bewertung im Einzelfall gehört zu deiner Rechtsberatung, die Buchung der Entgelte zu deiner Steuerberatung. Den einen Wert, auf den es hier ankommt, kann dir aber niemand abnehmen: deinen Durchschnittsbon.

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