Zahlungsverkehr erklärt

Firmenkarten kosten dich mehr: woran das liegt

Commercial Cards fallen aus der Deckelung für Verbraucherkarten heraus. Wo sie im Alltag auftauchen, wie du deinen Anteil misst und was das für den Preis heißt.

Closeup pile euro banknotes. CC0, über rawpixel.

Eine Karte, die auf ein Unternehmen ausgestellt ist, kostet dich bei sonst gleicher Zahlung mehr als eine private Karte. Das ist kein Zuschlag deines Anbieters, sondern eine Eigenschaft der Karte, die sich bis zu dir durchreicht.

Was eine Commercial Card ist

Commercial Card ist der Sammelbegriff für Karten, die eine Bank nicht an eine Privatperson, sondern an ein Unternehmen, eine Behörde oder einen Verein ausgibt. Wer damit zahlt, handelt für die Organisation, nicht für sich.

In der Praxis begegnen dir davon mehrere Spielarten: die Firmenkreditkarte für Reisen und Bewirtung, die Einkaufskarte für Bestellungen und Material, die Fuhrpark- oder Tankkarte, dazu Karten von Behörden und größeren Vereinen. Für die Entgelttabellen sind sie alle eine eigene Gruppe.

Warum sie aus der Deckelung fällt

Für Verbraucherkarten aus dem europäischen Raum ist das Interchange gedeckelt. Das war die eigentliche Wirkung der europäischen Regulierung: Die Bank der Kundschaft darf bei einer normalen Privatkarte nur bis zu einer festgelegten Grenze zugreifen, und dadurch ist auch dein Preis nach oben begrenzt.

Firmenkarten sind von dieser Deckelung ausgenommen. Die herausgebende Bank kann den Satz also anders ansetzen, und sie tut es, weil an einer Firmenkarte mehr hängt: Auswertungen für die Buchhaltung, Ausgabenlimits je Mitarbeitendem, Versicherungen, Bonusprogramme. Diese Leistungen finanziert die Bank zu einem guten Teil aus dem Interchange, das bei dir als Kostenbestandteil ankommt.

Die Höhe der Deckelung und den Kreis der ausgenommenen Karten legt der Verordnungsgeber fest. Welcher Wert derzeit gilt, steht in der Verordnung selbst und in den Preisverzeichnissen der Kartensysteme.

Wo Firmenkarten im Alltag auftauchen

Es gibt Betriebe, die kaum eine Firmenkarte sehen, und Betriebe, bei denen sie einen spürbaren Teil des Umsatzes ausmachen. Erkennbar ist das an der Kundschaft: Handwerksbetriebe, die für andere Betriebe arbeiten, Werkstätten mit Fuhrparkkunden, Hotels und Pensionen mit Geschäftsreisenden, Restaurants mit Mittagsgeschäft in einem Gewerbegebiet, Bürobedarf, Fachhandel für Betriebe, Catering für Firmenfeiern und alles rund um Messen.

Auffällig ist dabei die Verteilung über den Tag und über das Jahr. Firmenkarten kommen zu Bürozeiten, unter der Woche und in Wellen. Wer nur einen Monatsdurchschnitt betrachtet, unterschätzt den Anteil an einzelnen Tagen deutlich.

Wie du deinen Anteil misst

Der einzige belastbare Weg führt über die Abrechnung. In einer aufgeschlüsselten Darstellung steht bei jeder Zahlung, welcher Kategorie sie zugeordnet wurde. Firmenkarten erscheinen dort meist unter Bezeichnungen wie Commercial, Corporate oder Business.

Bekommst du nur eine Summe ohne Aufschlüsselung, kannst du den Anteil nicht messen. Das ist an sich schon eine Information: Ein Preismodell, das dir die Zusammensetzung deiner eigenen Umsätze vorenthält, macht jeden Vergleich zur Schätzung. Frag in dem Fall gezielt nach einer Auswertung nach Kartenkategorien für ein volles Quartal.

Was der Mischpreis mit Firmenkarten macht

Bei einem einzigen Satz für alle Karten ist der Anteil an Firmenkarten in der Kalkulation des Anbieters als Annahme enthalten. Liegt dein Betrieb darunter, bezahlst du ein Risiko mit, das du gar nicht hast. Liegt er darüber, verdient der Anbieter an dir weniger als geplant, und dann kommt entweder eine Preisanpassung oder eine Klausel, die einzelne Kartenarten aus dem Mischpreis herausnimmt.

Genau diese Klausel ist die Stolperstelle. Der beworbene Satz gilt dann für die häufigste Karte, während Firmenkarten in einer Anlage mit einem eigenen, höheren Satz stehen. Das ist nicht unseriös, aber es gehört vor der Unterschrift gelesen und nicht danach.

Was du tun kannst und was nicht

Sinnvoll ist dreierlei. Erstens: den Anteil über ein Quartal messen. Zweitens: bei einem hohen Anteil eine aufgeschlüsselte Abrechnung verlangen oder einen eigenen Satz für Firmenkarten verhandeln, statt einen Mischpreis zu akzeptieren, der auf fremden Annahmen beruht. Drittens: bei Angeboten immer nachfragen, was eine Firmenkarte kostet, nicht nur, was der Werbesatz verspricht.

Nicht sinnvoll ist der spontane Einfall am Tresen, Firmenkarten abzulehnen oder ihnen einen Aufschlag aufzuerlegen. Ob ein Entgelt für die Nutzung eines bestimmten Zahlungsmittels erhoben werden darf, ist gesetzlich geregelt und hängt vom Zahlungsmittel ab. Dazu kommen die Annahmeregeln der Kartensysteme aus deinem Akzeptanzvertrag.

Wo wir aufhören

Wir können dir erklären, wie sich der Preis einer Firmenkarte zusammensetzt und wie du deinen Anteil misst. Ob ein Aufschlag in deinem Fall zulässig wäre und wie eine Klausel in deinem Vertrag auszulegen ist, sind rechtliche Fragen. Sie gehören zu deiner Rechtsberatung, die steuerliche Behandlung der Entgelte zu deiner Steuerberatung.

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