Rechnungskauf und Ratenkauf über einen Dienstleister funktionieren nach einem einfachen Grundgedanken: Deine Kundschaft bekommt Zeit, du bekommst dein Geld sofort, und dazwischen steht ein Anbieter, der die Forderung übernimmt und das Ausfallrisiko trägt. Interessant wird es an der Stelle, an der dieses Risiko genau endet.
Der Ablauf hinter dem Knopf
Wählt jemand im Bestellvorgang den Kauf auf Rechnung, fragt dein Shop beim Anbieter an. Der prüft in Sekunden Identität und Bonität, entscheidet und gibt frei oder lehnt ab. Wird freigegeben, übernimmt der Anbieter die Forderung gegen deinen Kunden. Du bekommst deinen Betrag abzüglich des vereinbarten Entgelts, und der Kunde zahlt ab diesem Moment an den Anbieter, nicht mehr an dich.
Das ist die erste Stolperstelle im Alltag: Zahlt jemand trotzdem auf dein Konto, weil er die alte Rechnung findet, gehört dieses Geld nicht dir. Der Vorgang muss gemeldet und der Betrag zurückgeführt werden, sonst mahnt der Anbieter weiter, und der Ärger landet bei dir.
Was genau übernommen wird
Übernommen wird das Bonitätsrisiko. Kann oder will der Kunde nicht zahlen, ist das nach der Freigabe das Problem des Anbieters. Nicht übernommen wird das Lieferrisiko. Streiten sich Kunde und Betrieb darüber, ob die Ware angekommen ist, ob sie vollständig war oder ob sie zurückgeschickt wurde, fällt der Vorgang auf dich zurück.
Deshalb hängen die Bedingungen fast alle an der Lieferung: Die Ware muss versandt und der Versand nachweisbar sein, Teillieferungen und Retouren müssen im Portal des Anbieters gemeldet werden, und Stornierungen müssen dort ankommen. Wer Retouren nur im eigenen Warenwirtschaftssystem erfasst, produziert Mahnungen an Kunden, die längst zurückgeschickt haben.
Warum Kundschaft diese Zahlart erwartet
Im Versandhandel ist der Kauf auf Rechnung ein Vertrauenssignal. Wer eine unbekannte Marke zum ersten Mal ausprobiert, will nicht in Vorleistung gehen, besonders wenn er damit rechnet, einen Teil zurückzuschicken. Der Ratenkauf spricht eine andere Gruppe an: größere Anschaffungen, bei denen es weniger um Vertrauen geht als um die monatliche Belastung.
Beides kostet dich Entgelt und bringt dir Bestellungen, die ohne diese Zahlart nicht zustande gekommen wären. Ob das Verhältnis stimmt, siehst du erst, wenn du die Abbruchquote vor und nach der Einführung vergleichst, nicht am Prozentsatz auf der Abrechnung.
Der Kunde ruft trotzdem bei dir an
Formal ist der Anbieter jetzt der Gläubiger. Gefühlt bist du es, denn deinen Namen kennt die Kundschaft. Kommt eine Zahlungserinnerung, weil eine Retoure noch nicht verbucht ist, klingelt dein Telefon. Lege deshalb vorher fest, wer im Betrieb Zugang zum Portal des Anbieters hat, wer Retouren dort meldet und wie schnell das nach dem Wareneingang passiert.
Was rechtlich mit im Paket steckt
Die Bonitätsprüfung bedeutet eine Datenverarbeitung, über die deine Kundschaft informiert werden muss. Ein Anbieter, der auf eigene Rechnung prüft und die Forderung übernimmt, ist dabei meist nicht dein Auftragsverarbeiter, sondern selbst verantwortlich. Für deine Datenschutzerklärung und die Unterlagen im Betrieb macht das einen Unterschied.
Der Ratenkauf ist zusätzlich ein Kreditvorgang mit eigenen Informations- und Widerrufsregeln gegenüber Verbrauchern. Sie treffen zwar in erster Linie den Anbieter, sie prägen aber deinen Bestellvorgang mit, weil die Angaben an der richtigen Stelle im Shop stehen müssen.
Wo wir aufhören
Welche Pflichten dich als Händler treffen, wie deine Datenschutzerklärung formuliert sein muss und welche Vereinbarung du mit dem Anbieter brauchst, sind rechtliche Fragen für deine Rechtsberatung. Die Buchung von Auszahlung, Entgelt und Retoure gehört zu deiner Steuerberatung. Wir beschreiben hier nur den Mechanismus, damit du die richtigen Fragen stellen kannst.
