Kasse & Digitales

Selbst liefern oder über eine Plattform: die Rechnung dahinter

Die Plattform bringt Bestellungen und nimmt Provision, Kundendaten und ein Stück Preishoheit mit. Eigene Lieferung kostet Fixkosten. Wie du beides rechnest.

Macbook Computer. CC0, über stocksnap.

Die Frage wird meistens als Kostenfrage gestellt und ist in Wahrheit eine Frage nach Abhängigkeit. Eine Plattform bringt Bestellungen, die du sonst nicht hättest, und nimmt dafür einen Anteil je Bestellung, die Kundenbeziehung und einen Teil der Preishoheit. Eigene Lieferung kostet Geld, das unabhängig von der Bestellmenge anfällt, lässt dir aber alles andere.

Zwei Kostenarten, die sich völlig unterschiedlich verhalten

Die Plattformprovision ist eine variable Kostenart: kein Umsatz, keine Kosten. Das ist der Grund, warum der Einstieg so leicht fällt. Eigene Lieferung ist das Gegenteil: Fahrzeug, Versicherung, Wartung und vor allem Personal fallen an, ob an einem Abend wenige oder viele Bestellungen kommen.

Daraus folgt die eigentliche Rechnung. Es gibt eine Bestellmenge je Schicht, ab der der eigene Fahrer günstiger ist als die Provision. Unterhalb davon zahlst du für Leerlauf, oberhalb sparst du mit jeder Bestellung. Rechne diese Schwelle mit deinen echten Zahlen aus, mit deinem Personalkostensatz und deinem durchschnittlichen Bestellwert, und rechne sie für einen schwachen und einen starken Abend getrennt.

Der Deckungsbeitrag zählt, nicht der Umsatz

Eine Bestellung über die Plattform sieht im Kassenbericht aus wie jede andere, trägt aber weniger. Waren- und Personalkosten bleiben gleich, die Provision kommt oben drauf, und was übrig bleibt, ist deutlich kleiner als bei derselben Bestellung im Haus.

Schau dir im Vertrag genau an, worauf die Provision berechnet wird: auf den Warenwert, auf den Gesamtbestellwert inklusive Liefergebühr, brutto oder netto. Und prüfe, ob Entgelte für die Zahlungsabwicklung, für Werbeplätze oder für Aktionen zusätzlich abgezogen werden. Diese Positionen stehen selten nebeneinander auf einer Seite.

Kartenentgelte sind nicht der Vergleichsmaßstab

Ein häufiger Denkfehler ist, die Plattformprovision mit dem Entgelt für Kartenzahlung zu vergleichen und daraus zu schließen, Bezahlen sei teuer. Die Größenordnungen liegen weit auseinander. Bei R&B Pay kostet eine Kartenzahlung im Tarif All-in 1,29 Prozent auf alle Karten ohne Centbetrag, alternativ 0,79 Prozent je girocard-Zahlung und 1,79 Prozent je Kreditkartenzahlung, jeweils zuzüglich 5 Cent je Zahlung, alles netto zuzüglich Umsatzsteuer.

Was eine Plattform je Bestellung einbehält, steht in ihrem Vertrag. Setze beide Zahlen in dieselbe Kalkulation, dann siehst du, welcher Posten deine Marge bewegt und welcher nicht.

Die Kundenbeziehung bleibt dort, wo bestellt wird

Name, Adresse, Telefonnummer und Bestellhistorie liegen bei der Plattform. Du erfährst in der Regel nicht, wer zum zweiten Mal bestellt, du kannst niemanden zurückgewinnen, und einen Newsletter kannst du auch nicht aufbauen. Bewertungen entstehen ebenfalls dort und wandern nicht mit, wenn du den Kanal verlässt.

Diese Abhängigkeit wächst still. Sie fällt erst auf, wenn die Konditionen geändert werden oder das Ranking sich verschiebt, und dann fehlt der eigene Kanal, über den du deine Stammkundschaft erreichen könntest.

Wer ist Vertragspartner der Kundschaft

Kläre, ob die Plattform nur vermittelt und der Vertrag zwischen dir und der Kundschaft zustande kommt, oder ob die Plattform selbst verkauft. Davon hängt ab, wer eine Reklamation bearbeitet, wer erstattet, wer für eine verspätete oder kalte Lieferung geradesteht und in wessen Namen eine Rechnung gestellt wird.

Unabhängig davon bleiben die lebensmittelrechtlichen Pflichten bei dir. Allergene und Zusatzstoffe müssen auch online gekennzeichnet sein, und die Temperaturführung auf dem Weg gehört ebenfalls in deine Verantwortung, wenn du das Essen zubereitest.

Der Mittelweg ist meistens der richtige

Viele Betriebe fahren gut damit, die Plattform als Kanal für Neukundschaft zu nutzen und gleichzeitig einen eigenen Bestellweg aufzubauen: eine einfache Bestellseite, eine feste Rufnummer, ein Abholangebot. Wer selbst liefert, kassiert an der Tür mit einem mobilen Terminal, damit die Fahrt nicht mit Wechselgeldproblemen endet.

Ob du in der Tüte auf deinen eigenen Bestellweg hinweisen darfst, steht in den Bedingungen der Plattform. Lies diesen Punkt, bevor du Flyer drucken lässt.

Wo wir aufhören

Die Bewertung eines Plattformvertrags, die Frage nach dem Vertragspartner und die Ausgestaltung deiner eigenen Bestellseite berühren rechtliche Themen. Sie gehören zu deiner Rechtsberatung, die Kalkulation dagegen auf deinen eigenen Tisch, mit deinen eigenen Zahlen.

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