Fast jede Kartenzahlung in Europa läuft nach demselben Muster ab, und dieses Muster heißt Vier-Parteien-Modell. Wer es einmal verstanden hat, kann sich die meisten Fragen zur Kartenzahlung selbst beantworten: warum eine Zahlung abgelehnt wird, warum die Gutschrift kleiner ist als die Summe der Bons, warum ein Widerspruch Wochen später eintrifft.
Die vier Beteiligten
Beteiligt sind die Karteninhaberin oder der Karteninhaber, du als Händler, die Bank der Kundschaft als Herausgeber der Karte und dein Acquirer, der deine Umsätze einreicht und dir das Geld gutschreibt. Mehr Parteien braucht es nicht, damit eine Zahlung funktioniert.
In der Mitte steht das Kartensystem, etwa girocard, Mastercard oder Visa. Es wird nicht mitgezählt, weil es selbst keine Zahlung ausführt. Es stellt die Leitungen, die Regeln und die Marke bereit, nach denen die vier miteinander umgehen.
Zwei Verträge, und dazwischen keiner
Die Kundschaft hat einen Vertrag mit ihrer Bank. Du hast einen Vertrag mit deinem Acquirer. Zwischen dir und der Bank deiner Kundschaft besteht nichts, und zwischen der Kundschaft und deinem Acquirer ebenfalls nicht.
Das erklärt eine Menge Alltag. Du kannst bei der Bank der Kundschaft nicht anrufen und nachfragen, warum abgelehnt wurde. Die Kundschaft kann von dir nicht verlangen, eine bestimmte Karte anzunehmen, denn was du annimmst, steht in deinem Vertrag mit dem Acquirer. Und wenn etwas schiefgeht, spricht jede Seite mit ihrem eigenen Vertragspartner, nicht quer über den Tresen.
Wie das Geld durch das Modell läuft
Zuerst die Autorisierung: Dein Terminal fragt über das Kartensystem bei der kartenherausgebenden Bank an, ob die Zahlung freigegeben wird. Dabei fließt noch kein Geld, der Betrag wird nur reserviert.
Danach die Einreichung: Deine Umsätze werden gesammelt an den Acquirer übergeben, der sie über das Kartensystem verrechnet. Die Banken gleichen untereinander aus, der Acquirer erhält sein Geld und schreibt dir gut, was nach Abzug der Entgelte übrig bleibt. Deshalb ist die Gutschrift auf dem Konto nie identisch mit der Summe deiner Bons, und deshalb liegt zwischen Verkauf und Geldeingang immer etwas Zeit.
Warum aus einem Preis mehrere Empfänger werden
Von dem, was du je Zahlung zahlst, behält der Acquirer nur einen Teil. Ein Anteil geht an die kartenherausgebende Bank, ein weiterer an das Kartensystem. Das ist der Grund, warum niemand Kartenzahlung zum Nulltarif abgeben kann, und der Grund, warum die Kosten je Kartenart auseinandergehen: Eine Firmenkreditkarte aus dem Ausland wird anders verrechnet als eine deutsche girocard.
Für dich wird daraus in der Regel ein einziger Preis. Bei R&B Pay sind das entweder 1,29 Prozent auf alle Karten ohne zusätzlichen Centbetrag oder getrennt 0,79 Prozent je girocard-Zahlung und 1,79 Prozent je Kreditkartenzahlung, jeweils zuzüglich 5 Cent je Zahlung, alles netto zuzüglich Umsatzsteuer. In diesem einen Preis stecken die eben beschriebenen Anteile.
Der Widerspruch läuft denselben Weg rückwärts
Erkennt jemand eine Abbuchung nicht an, wendet er sich an seine Bank. Die schickt den Fall über das Kartensystem an deinen Acquirer, und der Acquirer fragt dich. Deine Antwort geht denselben Weg zurück.
Deshalb kommen Widersprüche mit Verzögerung an, und deshalb verhandelst du nie direkt mit der Gegenseite. Es ist auch der Grund, warum Belege und Nachweise so schwer wiegen: Sie sind das Einzige, was diesen Weg mitgehen kann.
Wo das Modell nicht passt
Es gibt Kartensysteme, bei denen Herausgeber und Abrechner dasselbe Unternehmen sind. Dann fallen zwei der vier Rollen zusammen, und die Konditionen kommen anders zustande. Das ist ein Thema für sich und ändert nichts daran, dass der ganz überwiegende Teil deiner Kartenumsätze nach dem hier beschriebenen Muster läuft.
Was dir das Modell im Alltag spart
Wer die Rollen kennt, spart sich Anrufe an der falschen Stelle. Fragen zur Freigabe beantwortet nur die Bank der Kundschaft. Fragen zu Gutschrift und Entgelten beantwortet dein Acquirer. Fragen zum Gerät beantwortet der Netzbetreiber. Drei Themen, drei Adressen, und selten ist es die, bei der man zuerst anruft.
